Die USA und Israel haben den Iran angegriffen. Mit dem Ziel, nicht nur das Mullah-Regime an einer nuklearen Aufrüstung zu hindern, sondern auch einen „Regimewechsel“ in dem Land herbeizuführen.
Aber können die USA und Israel, deren derzeitige Regierungen kaum als mustergültige Demokraten gelten können, dem Iran die von den Menschen dort ersehnte Freiheit bringen? Ich habe da ernste Zweifel. Was die USA gut können, ist, Diktaturen zu „enthaupten“, das haben sie im Iran und in Venezuela geschafft, und jetzt wird der Tod des iranischen „Obersten Führers“ Ali Khamenei gemeldet.
Aber ein Regime zu enthaupten, genügt nicht, es zu stürzen – Nachfolger stehen am Start. Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, hat sich bereits als „Mann des Übergangs“ ins Gespräch gebracht. Ob dieser das Land in die Demokratie führen oder nur das alte Schah-Regime restaurieren will, ist schwer zu beurteilen.
Die Einzigen, die dem Iran die Freiheit bringen können, sind die Menschen im Iran selbst. Eine Demokratie muss vom Volk kommen, die lässt sich nicht so einfach von außen aufzwingen. Deutschland, Italien und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Ausnahmen, nicht die Regel. In diesen Ländern hatte es eine parlamentarische Tradition gegeben, die von den Faschisten lediglich unterbrochen worden war, und an die nach dem Krieg wieder angeknüpft werden konnte – und die Aufarbeitung der gestürzten Diktaturen verlief schleppend.
Die Angriffe der USA und Israels können allenfalls helfen, indem sie das Regime erschüttern und schwächen. Aber es besteht die Gefahr, dass sie große Teile der Bevölkerung mit dem Regime solidarisieren. Im schlimmsten Fall können sie das Land in einen Bürgerkrieg stürzen.