Im Zusammenhang mit der „Sonntagsfrage“ rauchen die Köpfe über die hohen Zahlen für die AfD, die, wenn jetzt gewählt würde, die stärkste Partei werden würde. Zweifellos ist das eine besorgniserregende Entwicklung, der die Demokraten mit vereinten Kräften begegnen sollten.
Dabei wird aber meistens eins übersehen: Die progressiven Kräfte sind stärker! Wenn man die Stimmenanteile von Grünen, SPD und Linken zusammenzählt, kommt man je nach Umfrage auf 35 bis 40 Prozent. Das ist immer noch deutlich mehr als für die AfD, und auch mehr als für das konservative Lager aus CDU/CSU und FDP. Zugegeben, Grüne, SPD und Linke ziehen nicht immer an einem Strang, es hat schon seine Gründe, dass das drei Parteien sind und nicht eine. Aber in vielen wichtigen Fragen stehen diese drei Parteien nicht allzu weit auseinander, und haben auf kommunaler und auf Landesebene gezeigt, dass sie gut zusammen arbeiten können.
Und die Konservativen haben inhaltlich mehr mit den Progressiven als mit den Reaktionären gemeinsam. Sie stellen die Demokratie nicht in Frage, und verharmlosen nicht die Nazis als „Vogelschiss auf der ruhmreichen deutschen Geschichte“. Sie leugnen nicht die Klimakrise, auch wenn sie diese nicht so wichtig nehmen, wie sie sollten. Sie stehen für die Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Union. Sie wollen Deutsche mit Migrationshintergrund nicht aus dem Land jagen. Da ist Zusammenarbeit möglich und sinnvoll. Die AfD hingegen ist – zu Recht! – politisch isoliert, und hat keinen potenziellen Koalitionspartner, müsste also eine absolute Mehrheit erringen, und danach sieht es – zum Glück! – zumindest auf Bundesebene nicht aus.
Fazit: Wir sind von allen drei „Lagern“ das stärkste!