Wir stecken in einer tiefen Krise. Das Wetter spielt verrückt, Öl und Gas werden immer teurer, die Wirtschaft lahmt, in der Ukraine ist kein Ende des Krieges in Sicht, und Rechtsextremisten heimsen Wahlerfolge ein. Und was machen die Progressiven? Sie lamentieren und verzweifeln. Progressiv politisch engagierte Science-Fiction-Autoren schreiben Dystopien, Erfolge werden kleingeredet, auf Demonstrationen spürt man mehr ohnmächtige Wut als Aufbruchstimmung, und in progressiven Politikforen muss man Sätze lesen wie „Jede Regierung wird versagen“ oder „Die Nationen der Welt werden sich nie auf CO2-Reduktion einigen“. Salonmarxisten schwafeln davon, dass das alles „Nebenwidersprüche“ seien, die einerseits nicht ohne Auflösung des „Hauptwiderspruchs“ zwischen Arbeit und Kapital zu lösen seine, andererseits sich bei Lösung des „Hauptwiderspruchs“ von allein lösen würden. Reformen würden nichts bringen; allein die Revolution sei eine Lösung, die aber sei zum Scheitern verurteilt, weil „keine revolutionäre Situation“ bestehe. Also könne man gar nichts tun, außer die Klassiker zu lesen und über ihre Theorien zu diskutieren.
So wird das nichts mit der Rettung der Welt, mit der Wende zur Nachhaltigkeit! Wo bleibt die Zuversicht? Denn die brauchen wir, um die Welt zu verändern! Es reicht nicht, die Probleme zu bekakeln und Bußpredigten zu halten. Es müssen glaubwürdige Visionen her! Denn unsere Gegner haben eine Vision: sie wollen eine vermeintlich bessere Vergangenheit wieder herstellen, und damit finden sie bei Leuten, die glauben, die Zukunft werde schlechter sein als die Gegenwart (und das sind sehr viele), viel Resonanz und werden gewählt. Viele Leute scheinen zu glauben, die Wahl sei zwischen einer Renaissance der sauberen, ordentlichen Wirtschaftswunderwelt der 50er Jahre und einer dystopischen Zukunft à la Blade Runner. Wer würde sich da nicht für die 50er entscheiden? Aber das ist nicht die Wahl, die vor uns steht. Es führt kein Weg zurück in die 50er Jahre. Die Wahl ist vielmehr zwischen einer dystopischen Zukunft (wenn die Probleme ungelöst bleiben) und einer blühenden, bunten Welt, wie es sie noch nicht gab (wenn die Probleme gelöst werden).
Es gibt aber Lichtblicke. Es gibt sie, die Lösungen der Probleme, sie liegen bereits auf dem Tisch, aber sie sind noch nicht tief genug in das Bewusstsein der Mehrheit vorgedrungen, sondern schlummern in Sachbüchern und wissenschaftlichen Studien, die nur wenige lesen. Die Energiewende und damit die Lösung der Klimakrise macht Fortschritte, auch wenn manche Politiker sie „zurückstellen“ wollen, weil andere Dinge „wichtiger“ seien. Gegen die extreme Rechte regt sich Opposition. Einige Science-Fiction-Autoren haben aufgehört, Dystopien zu schreiben, und schreiben optimistische Geschichten von einer besseren Zukunft. Solarpunk nennt man das, auch wenn mir persönlich die Bezeichnung nicht so recht gefällt, denn „Punk“ klingt für mich nach Pessimismus, nach Dystopie, also nach genau dem, was Solarpunk nicht ist. Wir wissen nicht, ob wir den Kampf noch gewinnen können, aber wir müssen daran glauben, denn sonst ist der Kampf schon verloren. Denn nur mit Zuversicht können wir erreichen, was wir erreichen wollen!