Wenn man Politiker über die aktuellen Probleme reden hört, hört man immer wieder davon, dass es „der Wirtschaft“ besser gehen muss. Als wäre die aktuelle Krise nur eine Wirtschaftskrise, als wäre die Wirtschaft Selbstzweck. Vor allem bei der FDP herrscht diese Denkweise vor, egal, zu welchem Thema ein FDP-Politiker interviewt wird, immer redet er (fast) nur von der Wirtschaft. Aber auch bei anderen Parteien ist dies zu beobachten.
Aber die Wirtschaft ist eben kein Selbstzweck. Sicher, eine florierende Wirtschaft ist eine Voraussetzung für Wohlergehen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass die Wirtschaft nur dazu dient, den Menschen die Güter bereitzustellen, die sich für ein gedeihliches Leben benötigen. Und eine boomende Wirtschaft macht auch noch keine Lebensqualität, wenn die Konjunktur beispielsweise auf exzessiven Rüstungsanstrengungen beruht. Auch das „Dritte Reich“ hatte eine brummende Wirtschaft, überwand die Wirtschaftskrise der Weimarer Zeit, aber es waren in erster Linie die Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes, die die Auftragsbücher der Industrie füllten. Ähnliches gilt heute beispielsweise für Russland. Das Bruttoinlandsprodukt ist ein schlechter Wohlstandsindikator, denn Unfälle, Krankheiten, Kriege und sonstige Katastrophen tragen auch zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes bei. Und Aktienindizes sagen noch weniger über die Lebensqualität aus.
Und bekanntlich gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie, zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz. In einer Welt mit endlichen Ressourcen ist unbegrenztes Wachstum nicht möglich. Rauchende Schornsteine sind kein Wohlstandsindikator, sondern ein Indikator für Umweltzerstörung und Klimabelastung. Ein ungezügelter Kapitalismus produziert ferner extreme soziale Ungleichheit, produziert Luxus für Wenige und vermindert die Lebensqualität der meisten Menschen.
Die Wirtschaft muss also wieder den Menschen dienen, statt dass, wie heute viele Manager und Politiker zu denken scheinen, der Mensch der Wirtschaft dient. Sicher, damit es den Menschen gut geht, muss es auch der Wirtschaft gut gehen, aber eine boomende Wirtschaft ist eben nicht alles! Die Wirtschaft muss eingebunden sein in ein Gesamtkonzept für ein besseres Leben, das Umwelt- und Sozialfaktoren und den Non-Profit-Sektor einbezieht. Aber der erforderliche Umbau von der Durchsatz- zur Kreislaufwirtschaft ist zugleich ein exzellentes Konjunkturprogramm, denn er schafft Arbeitsplätze, und bietet viele interessante Investitionsmöglichkeiten.