Wenn man mich zu meiner Grundhaltung fragt, sage ich, dass ich besorgt, aber zuversichtlich bin. Denn das halte ich für die Haltung, die der gegenwärtigen Situation angemessen ist. Wir alle sollten uns Sorgen machen, weil wir uns in einer ernsten Krise befinden; wir sollten aber auch zuversichtlich sein, dass sich die Probleme lösen lassen.
Denn wer sich keine Sorgen macht, lebt in den Tag hinein, statt sich um die Herausforderungen zu kümmern. „Es wird schon alles gut gehen“ ist eine gefährliche Haltung – wer so durch das Leben geht, ist nicht motiviert, zur Lösung der Probleme beizutragen. Er läuft vielmehr Gefahr, durch gedankenloses Handeln zum Teil des Problems zu werden, etwa indem er schädliche Gewohnheiten wie Fleisch- oder Alkoholkonsum oder Autofahren und Flugreisen nicht hinterfragt, weil „daran nichts Schlimmes ist“, und sich nicht engagiert, um etwas zu ändern.
Aber auch wer keine Zuversicht hat, ist nicht motiviert, sich zu engagieren. „Man kann nichts mehr dran machen“ ist ebenfalls eine gefährliche Haltung. Niemand versucht sich gern an der Lösung eines Problems, das er für unlösbar hält. Auch der Pessimist macht sich also leicht zum Teil des Problems, indem er denkt, es sei eh nichts mehr zu machen, und deshalb sein Verhalten nicht ändert und sich nicht engagiert, sondern hilflos den Kopf in den Sand steckt.
Um mit einer Krise wie der gegenwärtigen Klima-, Umwelt- und Demokratiekrise konstruktiv umzugehen, braucht man also beides: zum einen die Sorge, dass Schlimmes droht, zum anderen die Zuversicht, dass sich das Schlimme abwenden lässt. Nur wer besorgt und zugleich zuversichtlich ist, ist motiviert, etwas zur Lösung der Probleme beizutragen. Also: Seid besorgt, aber zuversichtlich!